Sara Schmid (48) berichtet von ihrer Brustkrebsdiagnose und ganzheitlichen Brustkrebsbehandlung. Ihre Gynäkologin Dr. med. Stefanie Stirnberg, leitende Ärztin am Integrativen Brustzentrum Rheinfelden, beleuchtet den integrativen Ansatz zur Brustkrebsbehandlung aus fachlicher Sicht.

Dr. med. Stefanie Stirnberg
© Michael Orlik
Gynäkologin

Sara Schmid
© Michael Orlik
Brustkrebspatientin
Sara, erzählen Sie uns bitte Ihre Krebsgeschichte – wie kam es zur Diagnose?
Ich spürte schon seit zwei, drei Jahren – allerdings nur im Liegen – eine grössere Verhärtung in meiner linken Brust. Ich dachte nicht an Brustkrebs. Die Verhärtung fühlte sich nicht «knotig» an, und ich schob sie auf meinen Zyklus. Bei der regelmässigen Vorsorge erweckte sie auch bei meiner Ärztin keine Besorgnis. Auch dass die Brusthaut an der Stelle schuppte, brachte ich nicht mit Brustkrebs in Verbindung. Im Frühjahr 2024 wollte ich es dann doch abklären lassen und machte einen Termin bei meiner Gynäkologin. Die sagte mir nach dem Ultraschall, dass es sehr wahrscheinlich ein bösartiger Tumor sei, und schickte mich direkt ins Integrative Brustzentrum Rheinfelden. Dessen Chefarzt, Dr. med. Maik Hauschild, bestätigte die Diagnose, noch bevor er eine Biopsie durchführte.
Wie nahmen Sie die Diagnose auf?
Dieser 23. April 2024 war ein einschneidender Tag in meinem Leben – der Tag, an dem ich meine Brustkrebsdiagnose erhielt. Am Morgen war ich noch völlig unbesorgt, am Abend war plötzlich nichts mehr wie zuvor. Wir erlebten zu der Zeit gerade eine schwere Krankheitsgeschichte in der Familie. Bei meiner Schwiegermutter war Anfang des Jahres ein Hirntumor diagnostiziert worden. Im Mai, kurz nach meiner OP, verstarb sie. In diese ohnehin belastende Zeit platzte nun auch meine Diagnose.
Ich habe dem Krebs von Anfang an nicht so einen riesigen Raum in meinem Leben gegeben.
Sara Schmid, Brustkrebspatientin
Wie haben Sie Ihrer Familie die Diagnose mitgeteilt?
Da habe ich mich selbst herausgefordert: Früher habe ich meiner Familie öfter gesagt, dass Krebs heute in vielen Fällen gut behandelbar ist und man Zuversicht behalten soll. Als ich selbst betroffen war, wollte ich diese Haltung unbedingt leben.
Wie erlebten Sie die Betreuung im Brustzentrum Rheinfelden?
Nachdem die OP für den 7. Mai 2024 angesetzt war, folgte gleich ein Termin bei der Breast Care Nurse. Sie stellte mir meinen Fahrplan zur Behandlung vor. Ich fühlte mich zu jeder Zeit aufgeklärt und wusste, was mich erwartet. Das hat mir auch nach der OP geholfen. Frau Dr. Stirnberg lernte ich vor meiner Chemotherapie kennen. Sie stellte mir die integrative Seite der Brustkrebstherapie des Zentrums Rheinfelden vor.
Frau Dr. Stirnberg, was ist und was bringt integrative Medizin?
Unser Ansatz ist integrativ, weil wir neben der klassischen Schulmedizin begleitend komplementärmedizinische Behandlungen einsetzen. Damit unterstützen wir unsere Patientinnen beim Bewältigen ihrer Krankheit und deren Behandlung. Denn die konventionellen Therapien konfrontieren die Frauen mit teils erheblichen Nebenwirkungen wie Fatigue, Übelkeit und trockenen Schleimhäuten, die wir mit komplementärmedizinischen Behandlungen wirksam lindern können – zum Beispiel mit Phytotherapie (unter anderem Misteltherapie), Kurzzeitfasten während der Chemotherapie, Aromatherapie (etwa Leberwickel, Auflagen und Einreibungen), Atemtherapie, Akupunktur und -pressur, Yoga, Progressiver Muskelentspannung und mehr.
Welche Rolle spielt dabei die Mind-Body-Medizin?
Ein Brustkrebs macht nicht nur eine Brust krank: Er versetzt den ganzen Körper und auch die Psyche in einen Ausnahmezustand. Sorgen machen sich breit, Ängste kommen auf – Gefühle, die das Verhalten und damit auch die Krankheitsbewältigung beeinflussen. Wir bieten unseren Patientinnen einen Mind-Body-Medizin-Kurs an, der den teilnehmenden Frauen hilft, ihre Selbstwirksamkeit zu entdecken und zu aktivieren. Er gibt ihnen Anleitung, einen gesundheitsfördernden Lebensstil zu entwickeln, der sie im Alltag trägt.
Sara, was bewog Sie dazu, zusätzlich zur schulmedizinischen Therapie auf komplementäre Behandlungen wie den Mind-Body-Medizin-Kurs zu setzen?
Ich bin gelernte Krankenschwester und kannte von meiner Arbeit die eine oder andere komplementärmedizinische Anwendung, zum Beispiel Mistelpräparate, Akupunktur und ätherische Öle. Ebenso offen war ich für das Kurzzeitfasten während der Chemotherapie, das mir persönlich sehr geholfen hat, mit den Nebenwirkungen umzugehen.
Ich hatte bereits vor der Diagnose begonnen, meinen Lebensstil zu ändern, da ich gemerkt habe, dass mir mein Gewicht nicht guttut. Als ich die Diagnose erhielt, hatte ich schon etwa zehn Kilogramm abgenommen. Die Einladung zum Mind-Body-Medizin-Kurs nahm ich an, weil ich mir davon weitere aktive Unterstützung zu einem gesunden Lebensstil erhoffte, und die habe ich bekommen. Heute bin ich insgesamt 40 Kilo leichter – und fühle mich fit und gesund.
Welche Übungen oder Techniken haben Sie im Kurs kennen- und schätzen gelernt?
Besonders bereichernd waren für mich die wertvollen Inputs zur gesunden Ernährung, ergänzt durch Rezepte und konkrete Alltagstipps. Der Brottrunk steht heute noch in meinem Küchenschrank. Zudem habe ich Yoga für mich entdeckt, das ich mittlerweile zweimal pro Woche praktiziere. Für mich war es ein grosser Shift, in Bewegung zu kommen – ich hatte zuvor zwei Bürojobs und sass fast den ganzen Tag. Geholfen hat mir dabei auch Rumi, unsere Hündin, die vier Tage nach meiner Diagnose als Welpe zu uns in die Familie kam. Sie hat mich in Bewegung gebracht und vom Krebs abgelenkt – und mir keine Zeit für selbstzerstörerisches Grübeln gelassen.
Frau Dr. Stirnberg, wo kommt die klassische Schulmedizin bei der Brustkrebsbehandlung an ihre Grenzen?
Im Klinikalltag erlebe ich, wie die Patientinnen von hoch spezialisierter klassischer Schulmedizin profitieren – und zugleich oft mit erheblichen Nebenwirkungen kämpfen, die diese verursacht. Hier setzen wir mit der Komplementärmedizin an und finden meist eine Intervention, die Abhilfe schafft.
Wie wichtig ist es, dass Ihre Patientinnen auch zu Hause aktiv bleiben?
Als Patientin ist Sara ein Vorbild: Sie nahm viele unserer Impulse mit und integrierte sie in ihren Alltag. Unserer Aufforderung, Selbstfürsorge zu lernen und zu betreiben, kam sie nach – schon während der Therapie und bis heute. Ihr eben beschriebenes Wohlbefinden ist auch ein Ergebnis dessen.
Wie gut ist die Wirkung von komplementärer Medizin wissenschaftlich belegt, und für wen sind die Angebote sinnvoll?
Die Studienlage ist inzwischen sehr gut, die Wirksamkeit der einzelnen Therapien ist evidenz- und erfahrungsbasiert belegt.
Jede Patientin hat etwas davon. Schon beim Erstgespräch zeige ich unser entsprechendes Angebot auf – und rufe wenn nötig eine unserer Fachfrauen für Aromapflege hinzu, die der Patientin hilft, ihre innere Anspannung zu lösen. Im Verlauf der Behandlung sind es dann oft die Nebenwirkungen, mit denen die Patientinnen zu uns kommen und gegen die wir dann gemeinsam das passende Mittel wählen.
Was raten Sie Menschen, die ihre Partnerin, Angehörige oder Freundin mit Brustkrebsdiagnose unterstützen möchten, aber nicht wissen, wie?
Sara Schmid: Sagen Sie genau das: Sie möchten unterstützen, wissen aber nicht, wie. Und lassen Sie sich von den Betroffenen erklären, ob und gegebenenfalls welche Unterstützung sie wünschen.
Dr. Stefanie Stirnberg: Eine Krebsdiagnose betrifft immer auch die Familie der Patientin. Umso wichtiger ist eine klare Kommunikation. Halten Sie Kontakt zu der erkrankten Frau, auch wenn diese zeitweise mal auf Abstand geht.
Das Integrative Brustzentrum Rheinfelden ist in der Region sowie schweizweit ein anerkanntes und mehrfach zertifiziertes Zentrum zur Behandlung von Brustkrebserkrankungen. Die Qualität der ganzheitlichen und individuellen Betreuung stellt ein interdisziplinäres Team sicher.
Kontaktdaten:
Integratives Brustzentrum Rheinfelden
Riburgerstrasse 12
4310 Rheinfelden
+41(0)61 835 62 20
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