Das sagt Anika (45). Bei ihr wurde 2024 ein Tumor festgestellt. Wenig später entdeckte man Metastasen an Knochen. Wie die zweifache Mutter die Diagnose metastasierter Brustkrebs (HR+/HER2-) wegsteckte und wie sie ihre Behandlung und den Alltag mit der chronischen Krebserkrankung bewältigt, schildert sie im Interview.

Anika
© Privat
Brustkrebsbetroffene
Anika, wie kam es zu deiner Diagnose?
Ich ging im November zu meiner Hausärztin, weil mein linker Arm angeschwollen und ein Lymphknoten am Hals dick war. Ich hatte vorher keine Beschwerden. Da war mal ein Jucken in der Brust, doch das habe ich nicht für voll genommen. Meine Hausärztin tastete meine linke Brust ab und schickte mich zur Mammografie. Der Arzt dort veranlasste Biopsie und CT. Der Befund war ein schätzungsweise drei bis vier Zentimeter grosser Tumor.
Wie wurdest und wirst du behandelt – und mit welchem Ergebnis bislang?
Da der Krebs in meiner Brust und auch schon in mehreren Lymphknoten nachgewiesen wurde, galt ich als palliativ. Ich hätte ihn am liebsten gleich wegschneiden lassen – zur Not samt beiden Brüsten. Doch man riet mir zunächst zu einer systemischen Tablettentherapie, die auch Hormonblocker umfasste. Die absolvierte ich bis Mai 2024. Dann wollte ich endlich die OP. Meine Ärzt:innen meinten, wenn sie jetzt operieren würden, sollte ich auch gleich bestrahlt werden. Deshalb wurde ein CT mit radioaktivem Kontrastmittel gemacht. Das brachte diverse Metastasen an meinen Knochen zutage, die vermutlich schon länger da waren, auf dem CT im November aber nicht gesehen wurden.
Damit wurde die geplante Bestrahlung hinfällig. Da ich sehr gut auf die Tablettentherapie ansprach, blieb ich bis November 2025 dabei. Dann bekam ich plötzlich starkes Kopfweh. Ein Kopf-MRI zeigte eine Entzündung in der Hirnhaut. Wegen des Verdachts auf Krebs wurden Kopf und Wirbelsäule bestrahlt. Seit Januar 2026 erhalte ich Chemotherapie. Die knockte mich fast aus: mit Haarausfall, Gewichtsverlust und schwachen Beinen. Zum ersten Mal sah man mir den Krebs an. Doch ich rappelte mich auf, seit ein, zwei Monaten bin ich fast wieder die Alte – mit einem Pixie.
Im Kopf sah man bei der jüngsten Kontrolle nichts mehr, und auch die Metastasen an den Knochen reagieren weiterhin gut auf die Behandlung. Ich blicke zuversichtlich nach vorn.
Was hilft dir beim Bewältigen deiner Erkrankung im Alltag?
Meine Kinder. Für sie muss und will ich mit der chronischen Brustkrebserkrankung leben, so gut und lange es geht. Ich bin keine, die untertaucht, mein Kopf ist immer über Wasser. Ich habe ein schönes Leben, in dem ich dem Krebs nicht viel Raum gebe. Viel Kraft schöpfe ich aus meinem sozialen Engagement für Familien in der Umgebung. Und mir hilft auch der Austausch in unserer Selbsthilfegruppe.
Patientenorganisation: Austausch auf Augenhöhe
Als Anna Farris (37) ihre Diagnose metastasierter Brustkrebs erhielt, fühlte sie sich damit extrem allein. Ihr fehlten hoffnungsspendende Beispiele anderer Betroffener, die schon länger mit dieser Erkrankung weiterlebten – für sie der Anstoss, einen Selbsthilfeverein mitzugründen.
Wie unterstützt der Verein Metastasierter Brustkrebs Schweiz Betroffene?
Wir sind Anlaufstelle für betroffene Frauen, ganz gleich, ob die Diagnose frisch oder älter ist. Unsere Gemeinschaft schliesst eine Lücke, die die Diagnose auftut. Denn auch ein noch so liebevolles und unterstützendes Umfeld kann nicht gut nachvollziehen, was die Aussicht auf die vorzeitige Endlichkeit des Lebens mit uns macht. Auch wenn die Diagnose dank moderner Therapien kein Todesurteil mehr ist, wissen wir, dass die Erkrankung unser Leben verkürzt. Unter uns können wir offen und auf Augenhöhe über unsere Ängste und Sorgen sprechen sowie einander Tipps zur alltäglichen Krankheitsbewältigung geben.
Wie begegnen sich die Vereinsmitglieder?
Wir haben eine schweizweite WhatsApp-Gruppe und treffen uns regelmässig an verschiedenen Orten zu gemeinsamen Workshops: vom Blumenbinden bis zu Pilates, wir machen, was uns guttut. Wir haben neu auch Treffen vor Ort im Selbsthilfezentrum in Zürich: montagnachmittags und mittwochabends.
Richten Sie Ihr Engagement auch an die Gesellschaft?
Wir stehen im Austausch mit gesellschaftlichen Akteur:innen, um die Gesundheitsversorgung in der Schweiz zu verbessern. Mit Kampagnen wie «Leben mit Metastasen» zeigen wir, dass wir mehr sind als nur unsere Krankheit.
2026-08 – MAT-CH-DS-00046