Eine Brustkrebsdiagnose trifft Frauen oft wie ein Schlag. Doch die Behandlungsmöglichkeiten sind heute vielfältiger und individueller denn je. Im Interview erklärt Prof. Dr. med. Cornelia Leo, worauf es bei der Wahl der Therapie ankommt, was Patientinnen während und nach der Behandlung erwartet und warum die Forschung weitere Fortschritte verspricht.

Prof. Dr. med. Cornelia Leo
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Chefärztin am Brustzentrum Kantonsspital Baden
Frau Prof. Leo, nach einer Brustkrebsdiagnose muss zeitnah eine individuelle Therapie festgelegt werden. Worauf kommt es dabei an, und was müssen Frauen wissen?
Die Diagnose ist natürlich erst einmal ein Schock und löst bei den betroffenen Frauen grosse Ängste und Unsicherheiten aus. Wichtig ist es jetzt, trotzdem keine überstürzten Entscheidungen zu treffen, sondern sich in Ruhe zu informieren und beraten zu lassen. Es gibt verschiedene Arten von Brustkrebs, die wir aufgrund ihrer biologischen Merkmale unterschiedlich behandeln. Daher muss vor Therapiestart genau untersucht werden, welcher Brustkrebstyp vorliegt.
Welche Behandlungen sind heute möglich, und wie hat sich die Brustkrebsmedizin in den letzten Jahren verändert?
Die Behandlung ist heute deutlich individueller. Die Therapieentscheidung richtet sich nach der Tumorbiologie. Multigenexpressionstests zeigen bei hormonempfindlichem Brustkrebs, wer eine Chemotherapie wirklich braucht – vielen bleibt sie so erspart. Neue Medikamente erhöhen auch bei aggressiveren Formen die Heilungschancen. Auch ist die brusterhaltende Operation heute in vielen Fällen möglich, und ausgedehnte Lymphknotenentfernungen in der Achselhöhle braucht es nur noch selten.
Viele Frauen fragen sich, ob sie während einer Chemo oder Bestrahlung noch arbeiten, Sport treiben und ein normales Leben führen können. Was raten Sie Ihren Patientinnen für den Alltag während der Behandlung?
Das ist sehr individuell und hängt natürlich von der Therapieform und den Nebenwirkungen ab. Moderater Sport wird heute aktiv empfohlen, weil er Fatigue entgegenwirkt. Ich rate meinen Patientinnen ganz generell, sich nicht selbst unter Druck zu setzen. Der Versuch, «normal» zu funktionieren und Therapie, Familie, Beruf und Alltag unter einen Hut zu bringen, wird häufig als sehr frustrierend erlebt. Rückzugsphasen sind erlaubt und wichtig.
Was erwartet Patientinnen in der Nachsorge, und wann kann man von einer echten Entwarnung sprechen?
Medizinisch ist die Krankheit oft behandelt, psychisch und sozial aber noch lange nicht abgeschlossen. Wenn nach der intensiven Therapie die engmaschige medizinische Begleitung wegfällt, treten Erschöpfung, Ängste und Unsicherheit häufig erst in den Vordergrund. In der Nachsorge wird die Brust regelmässig untersucht und es wird nach Nebenwirkungen und allfälligen Langzeitfolgen der Therapien geschaut. Eine komplette Entwarnung gibt es selten zu einem festen Zeitpunkt – das Rückfallrisiko sinkt über Jahre, bleibt bei hormonrezeptor-positiven Tumoren aber länger bestehen.
Wie hat sich die Überlebensrate bei Brustkrebs in den letzten Jahrzehnten entwickelt?
Zum Glück ist Brustkrebs heutzutage sehr gut behandelbar und die meisten Frauen können geheilt werden. Früherkennung und Therapiefortschritte haben die Heilungsraten deutlich verbessert. Nach einer Behandlung in einem frühen Stadium ist die Lebenserwartung kaum eingeschränkt und die Patientinnen haben eine gute Lebensqualität.
Wo steht die Brustkrebsforschung gerade? Gibt es Entwicklungen, die Sie persönlich begeistern?
Der Trend geht klar Richtung Präzisionsmedizin, angepasst an die molekulare Tumorbiologie – mit vielversprechenden Ansätzen auch beim metastasierten Brustkrebs. Die Zukunft der Brustkrebstherapie liegt für mich nicht einfach in «mehr Therapie», sondern in der richtigen Therapie für die richtige Patientin zum richtigen Zeitpunkt. Dass wir diesem Ziel mit enormem Tempo näherkommen und dabei die Lebensqualität immer stärker mitdenken, begeistert mich besonders.
In Kooperation mit: Daiichi Sankyo (Schweiz) AG