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Start » News » Brustkrebs ist kein Todesurteil!
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6800 Frauen und 60 Männer erkranken jährlich in der Schweiz an Brustkrebs.1 Bis zu 15 Prozent von ihnen erhalten die Diagnose triple-negativer Brustkrebs (TNBC)2, darunter auch Christina Christen (CC, 61) im Jahr 2004 und Marlies Friedli-Enderle (MFE, 49) im Jahr 2023. Im Interview berichten die beiden Frauen, wie der Krebs ihr Leben veränderte und wie sie den Alltag damit bewältigen. 

Christina Christen, TNBC-Diagnose 2004: Präsidentin der Patientinnenorganisation EUROPA DONNA Schweiz, Gründerin Tavola Rosa ZH, Leiterin von Tavola Rosa Zürich (Stammtische für Frauen mit Brustkrebs)

Christina Christen

© ZVG

Präsidentin der Patientinnenorganisation EUROPA DONNA Schweiz, Gründerin Tavola Rosa ZH, Leiterin von Tavola Rosa Zürich (Stammtische für Frauen mit Brustkrebs)
TNBC-Diagnose 2004

Marlies Friedli-Enderle, TNBC-Diagnose 2023

Marlies Friedli-Enderle

© ZVG

TNBC-Diagnose 2023

Sie erhielten beide eine TNBC-Diagnose – was ist das für ein Brustkrebs?

CC: Das ist ein häufig sehr schnell und aggressiv wachsender Krebs, der weder Bindungsstellen (Rezeptoren) für die Hormone Östrogen und Progesteron noch viele Rezeptoren für humane epidermale Wachstumsfaktoren (HER2) auf seiner Oberfläche besitzt. Das macht seine Behandlung schwerer, da Medikamente, welche an diese Zelloberflächenmerkmale binden, nicht anschlagen.

Wie kam es zu Ihrer Diagnose, war es Zufall oder hatten Sie Symptome?

CC: Ich hatte seit der Geburt meiner zweiten Tochter im Jahr 1994 trotz zweier Ausschabungen Plazentareste in der Gebärmutter. Deshalb ging ich sehr stur alle Jahre zur Kontrolle zu meinem Frauenarzt. Im Februar 2004 fühlte ich mich hundemüde, mein Hausarzt nahm mich damit jedoch nicht ernst. Als Vitamine nichts brachten, meinte er, ich solle mich nicht so anstellen. Da ich eine «Workaholikerin» war, dachte ich, ich sei «nur» erschöpft (Burn-out). Im Juli ertastete mein Frauenarzt einen Knoten in meiner linken Brust und überwies mich direkt zu einem Brustkompetenzzentrum. Die waren damals noch rar in der Schweiz, ich hatte grosses Glück. Mein Tumor hatte einen Durchmesser von drei Zentimetern.

MFE: Ich spürte vor drei Jahren so ein Ziehen in der linken Brust und schob das auf die prämenstruelle Phase. Einige Tage später, an einem Samstagabend, verlor ich aus der Brustwarze ziemlich viel blutiges Sekret. Ich dachte sofort, das ist ernst – und starb einen kleinen Tod. Der Sonntag wurde zum längsten Tag meines Lebens, und Montagfrüh schickte mich meine Gynäkologin direkt zur Mammografie ins Zürcher Brustkrebszentrum. Ich hatte zwei Tumore, der eine war noch verkapselt, der andere hatte schon in die Brust und in einen Lymphknoten gestreut. 

Was half Ihnen, die Diagnose anzunehmen?

CC: Im ersten Moment dachte ich: Scheisse, was jetzt? Meine Töchter waren 11 und 10, meine Ehe bröckelte. Der zweite Gedanke war: Auf in den Kampf! Dazu muss ich sagen, ich habe schon mit 20 Sterbende begleitet, mit 22 sogar meinen eigenen Vater. Ich kannte meinen Gegner Krebs. Ich hatte eine hohe Resilienz, und vom Moment der Diagnose an war ich in Kampfstimmung. Ich sprühte vor Energie und fokussierte diese gegen den Krebs. 

MFE: Die finale Diagnose wirkte auf mich irgendwie entlastend. Jetzt wusste ich, woran ich war. Mein Mann war und ist eine grosse Stütze, er hielt das Familienleben am Laufen, kümmerte sich um unsere Söhne, damals 15 und 13. Die ganze Beziehungsarbeit, die wir beide vor der Diagnose schon in uns investiert hatten, befähigte uns, meinen Krebs gemeinsam zu tragen. Kraft gab mir meine eigens dafür ins Leben gerufener Frauenkreis: sechs Freundinnen in meinem Dorf, die mir jede auf ihre Weise zur Seite standen – nicht mitleidend, sondern mitfühlend und mittragend. Die eine ist Yogalehrerin und brachte mir beruhigende Atemtechniken bei, die andere ging mit mir spazieren und wieder eine andere buk Boobs-Kekse mit mir. Eine hielt mir die Hand während den ersten Stunden nach jeder Chemo. Die Auseinandersetzung mit dem Wesentlichsten waren für uns alle eine enorme Lebensbereicherung.

Wie wurden Sie behandelt?

CC: Ich bekam als Erstes eine Chemo. Die liess den Tumor auf «nicht mehr sichtbar» schrumpfen. Es folgten OP und Bestrahlung. Die Chemo hat Spuren hinterlassen: Ich habe «eingeschlafene» Finger. 

MFE: Neben einer Chemo-Therapie und Bestrahlung hatte ich zwei grosse OPs. Was mich bis heute beeinträchtigt, ist zum einen die Narbe von der Bauch-OP – von dort wurde Gewebe entnommen, um die Brust wieder aufzubauen. Und mein Magen-Darm-Trakt zeigt noch Nachwirkungen der Chemo und ich leide nach wie vor an Fatigue.

Wie geht es Ihnen heute mit Ihrem Brustkrebs?

CC: Ich bin Cancer Survivor. Ich erlebe geschenkte Zeit und bin dankbar für jeden Tag. Ich arbeite noch immer viel und engagiere mich politisch für Menschen mit Krebs – als Präsidentin der Schweizer Patientinnenorganisation Europa Donna Schweiz3, als Vorstandsmitglied von SwissCAPA (Swiss Cancer Patient’s Alliance)4 und als Gründerin des Stammtisches «Tavola Rosa Zürich» für Frauen mit Brustkrebs5

MFE: Ich habe viele Tage, an denen ich wieder gut an meinem eigenen Business arbeiten und es weiterentwickeln kann. Das hatte ich zwischenzeitlich deutlich runtergefahren. Und dann habe ich Tage, da geht nix. Doch ich vertraue meinem Körper, höre ihm zu und gebe ihm die Pause, die er dann offensichtlich braucht. 

Was wünschen Sie sich und anderen Betroffenen, um die Erkrankung besser zu bewältigen?

CC: Die Mammografie muss auch in der Schweiz als flächendeckendes Programm angeboten werden. Wir brauchen zudem Strukturen für alle, die nach einer Krebstherapie zurück ins Leben entlassen werden und erst mal dastehen und sich fragen: Und jetzt? Zudem wünsche ich allen Survivorn das «Right to Forget»: Jede:r sollte die gleichen Chancen haben, wenn eine Hypothek aufzunehmen oder eine Versicherung abzuschliessen ist. 

MFE: Ich glaube, wir sind im Zeitalter der Individualität angekommen. Und diese individuelle Passgenauigkeit wünsche ich mir auch in der Krebstherapie. 

Was raten Sie anderen Frauen, die dasselbe Schicksal trifft?

CC: Gib nicht auf! Die Krebsdiagnose ist kein Todesurteil. Selbst mit metastasiertem Krebs gibt es Chancen auf gute Lebenszeit. Vertrau auf dich! Finde deine Energiequelle und lebe dankbar und bewusst.

MFE: Ganz gleich, ob du einen guten oder schlechten Tag erlebst – jeder Moment ist vergänglich. Nutze das Wissen und die Erfahrungen der Menschen, die dich begleiten: Mediziner:innen, Therapeut:innen, Coaches, Pflegepersonen. Sie sind für dich da – frage, wenn du etwas wissen willst. Hab keine Angst vor «dummen Fragen» – du bist anfangs noch keine Expertin für deinen Krebs. Und bitte nimm dir Zeit, dich bei deiner Brust zu bedanken und dich gegebenenfalls auch von ihr zu verabschieden. Wie Christina sagt, finde deinen Weg und lebe dankbar. Das Leben ist ein grosses Geschenk.

1 https://www.krebsliga.ch/ueber-krebs/zahlen-fakten/-dl-/fileadmin/downloads/sheets/zahlen-krebs-in-der-schweiz.pdf (Status Nov25; Zugriff: 16.02.2026)
2 https://www.tandfonline.com/doi/full/10.1080/13696998.2024.2369428#abstract (Zugriff: 16.02.2026)
3 https://europadonna.ch
4 https://www.swisscapa.org/de
5 https://europadonna.ch/tavola-rosa

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